Leinenführigkeit · Überblick

Hund zieht an der Leine: was wirklich hilft

Von 3 Min. Lesezeit
Kurz gesagt

Zieht dein Hund an der Leine, hilft Stehenbleiben selten, weil es in der Realität nie zu hundert Prozent umgesetzt wird. Leinenführigkeit ist eine Impulskontrollübung, bei der dein Hund dir folgen soll, ohne dass du die Leine benutzen musst. Schule erst deine Körpersprache, dann folgen drei Übungen in dieser Reihenfolge: Indoor-Start, vor und zurück, Null-Route.

Dein Hund zieht, du hältst dagegen, er zieht weiter. Vielleicht hast du schon Stehenbleiben probiert, den abrupten Richtungswechsel, ein Anti-Zug-Geschirr. Vielleicht hat es in der Hundeschule geklappt und draußen nicht. Das ist kein Zeichen, dass dein Hund stur ist. Es ist ein Zeichen, dass die Methode an der falschen Stelle ansetzt.

Warum die üblichen Tipps nicht funktionieren

„Wenn dein Hund an der Leine zieht, musst du einfach stehen bleiben. Lerntheoretisch ist das korrekt und effektiv. In der Realität wird diese Methode aber nie zu hundert Prozent umgesetzt und verliert somit ihren Sinn.“

Das ist der Kern. Stehenbleiben funktioniert nur, wenn du es immer tust. Du tust es aber nicht immer, weil du auch mal zum Auto musst, weil es regnet, weil du telefonierst. Für deinen Hund heißt das: Ziehen klappt manchmal. Und manchmal reicht, um es weiter zu versuchen.

Der zweite Klassiker: „Wenn dein Hund nicht hört, musst du härter sein.“ Wenn es dir nicht gelingt, deine Erwartungen so zu formulieren, dass dein Hund sie verstehen kann, wird all die Härte euch niemals zu einem besseren Team machen. Härte ersetzt keine Information.

Was Leinenführigkeit eigentlich bedeutet

Leinenführigkeit heißt nicht nur, dass der Hund nicht ziehen darf. Er soll lernen, sich an dir zu orientieren und deine Signale wahrzunehmen. Anders gesagt: Leinenführigkeit ist eine Impulskontrollübung, bei der der Hund dir folgen soll, ohne dass du die Leine benutzen musst. Die Leine ist Sicherung, nicht Steuerung.

Deshalb beginnt gutes Leinentraining auch nicht mit der Leine, sondern mit dir: mit deinem Körper, deiner Ankündigung, deiner Belohnung.

Schule erst deine Körpersprache, mache dann die Übungen

So sieht es oft aus: Der Arm zieht schlapp an der Leine zurück, um den Hund zu korrigieren, und trotzdem zieht der Hund wieder vor. Warum kapiert er das nicht, das haben wir doch schon so oft gemacht?

Weil ein schlapper Arm keine Grenze ist. Probier stattdessen, deinen ganzen Körper einzusetzen: Schulter runter, den ganzen Körper eindrehen, die Grenze signalisieren, und danach zum Weitergehen einladen. Ruhig bleiben, klar in der Bewegung sein, dem Hund eine verständliche Orientierung geben. Hunde sind Körpersprachler. Sie achten weniger darauf, was du sagst, als darauf, was dein Körper gleichzeitig macht. Mehr dazu im Artikel zur Körpersprache an der Leine.

Die drei Übungen, in dieser Reihenfolge

Es gibt drei ganz wichtige Übungen für die Leinenführigkeit. Sie bauen aufeinander auf. Wer mit der dritten anfängt, weil sie am meisten nach Spaziergang aussieht, trainiert gegen die Aufregung, statt sie vorher abzubauen.

1. Indoor-Start

Hier geht es zur Übung: Indoor-Start →

Im Video: ruhig anleinen und drinnen beginnen.

Mit dieser Übung startest du in die Leinenführigkeit

2. Vor und zurück

Hier geht es zur Übung: Vor und zurück →

Im Video: Orientierung beim Vor- und Zurückgehen.

Leinenführigkeit leicht gemacht

3. Die Null-Route

Hier geht es zur Übung: Die Null-Route →

Im Video: Abbiegen ankündigen und gemeinsam weitergehen.

Wenn du nur eine Übung machst, lass es diese sein! | Leinenführigkeit

Dazu kommt die Übung, mit der ich jeden Spaziergang beginne: kreuz und quer an der Schleppleine, bis der Hund von sich aus auf dich achtet. Erst dann geht der Spaziergang los.

Wohin du belohnst, ist eine Information

Die Futterübergabe sagt deinem Hund, wo gute Dinge passieren. Wenn du die letzten Minuten gesagt hast „bleib hinter mir“, dann belohnst du nicht nach vorne und nicht in den Hund rein, sondern dort, wo er sein soll: bei dir, hinter dir, an deinem Bein. Sonst lobst du mit dem Wort und widersprichst mit der Hand.

Video zur Futterübergabe: Hier siehst du die passende Belohnungsposition auf Instagram.

Was du dir sparen kannst

Hilfsmittel, die das Ziehen unangenehm machen, nehmen dem Hund den Zug, aber nicht den Grund. Der Grund ist fast immer Aufregung oder fehlende Orientierung, und beides trainierst du mit den Übungen oben. Wenn dein Hund vor allem bei Hundebegegnungen in die Leine geht, ist das ein anderes Thema: Dann lies zuerst den Artikel zum reaktiven Hund, denn das Ziehen ist dort nur das Symptom.

Wenn dein Hund an der Leine schon nach dir oder anderen geschnappt hat oder eine Gefährdung besteht, gehört das in die Hände einer Trainerin vor Ort. Die Übungen hier sind Training, keine Verhaltenstherapie.

Alle Artikel zu Leinenführigkeit

Häufige Fragen

Ab wann kann ich Leinenführigkeit trainieren?

Sofort. Ein Welpe oder Junghund muss nicht funktionieren wie ein erwachsener Hund, aber er lernt jeden Tag, was sich lohnt. Wer wartet, bis der Hund groß ist, trainiert später gegen eine eingeschliffene Gewohnheit. Die Indoor-Übung ist für jedes Alter der richtige Anfang.

Geschirr oder Halsband?

Das Werkzeug löst das Problem nicht, das Training löst es. Ich sichere im Training mit der Schleppleine am Geschirr, ohne sie einzusetzen. Ist der Hund leinenführig, kann die Leine auch am Halsband hängen, weil es dann nur noch um Sicherung geht.

Warum hilft Stehenbleiben nicht?

Lerntheoretisch ist es richtig: Ziehen führt nicht zum Ziel. In der Realität wird diese Methode aber nie zu hundert Prozent umgesetzt, weil du auch mal in Eile bist, telefonierst oder einfach ankommen willst. Eine Regel, die nur manchmal gilt, ist für den Hund keine Regel.

Sind Rollleinen im Training tabu?

Nein. Ich nutze sie selbst, wenn ein Hund Bewegung und Raum braucht und ich die Hände frei haben will, zum Beispiel für Marker und Futter. Die Rollleine hängt dann am Gürtel. Für die eigentliche Leinenführigkeitsübung nimmst du eine Schleppleine.

Wie lange dauert es, bis mein Hund an lockerer Leine läuft?

Das hängt davon ab, wie lange er schon zieht und wie konsequent du bist. Meine Erfahrung mit dem Radius an der Schleppleine: eine Woche, jeden Tag, jedes Mal. Danach sieht man den Unterschied. Ein Verhalten, das Jahre alt ist, braucht länger.