Rückruf und Freilauf · Wissen

Rückruf bei Ablenkung: Warum dein Hund draußen nicht hört

Von 7 Min. Lesezeit
Kurz gesagt

Starte den Rückruf in einer reizarmen Umgebung und rufe anfangs nur in Momenten, in denen dein Hund kommen kann. Übe anschließend an verschiedenen Orten und erhöhe nicht alle Ablenkungen auf einmal. Solange dein Hund nicht ausreichend ansprechbar ist, bleibt er an einer langen Leine gesichert.

Im Haus kommt dein Hund. Draußen, bei Besuch oder wenn du es jemandem zeigen willst, funktioniert der Rückruf plötzlich nicht mehr. Prüfe, ob dein Hund das Signal auch unter diesen Bedingungen gelernt hat, und steigere die Ablenkung schrittweise.

Was bedeutet ein zuverlässiger Rückruf?

Ein zuverlässiger Rückruf bedeutet, dass dein Hund nach dem Signal prompt reagiert. Du rufst, zählst gedanklich eins, zwei und erkennst, ob er sich auf den Weg zu dir macht. Das bereits gelernte Signal soll für ihn verbindlich sein: Er kommt selbstständig und wird belohnt, oder du unterstützt das Kommen über die Schleppleine. Wiederholtes Rufen ohne folgenden Ablauf vermittelt diese Verbindlichkeit nicht.

Trotzdem ist ein Rückruf niemals zu 100 Prozent zuverlässig. Hunde sind individuelle Lebewesen. Du kannst Verlässlichkeit aufbauen und gleichzeitig die Grenzen deines Hundes berücksichtigen. Wähle die Trainingssituation so, dass er die Aufgabe bewältigen kann, und sichere ihn, solange das noch nicht gelingt.

Warum hört mein Hund ohne Ablenkung, aber draußen plötzlich nicht mehr?

Dein Hund hat das Signal möglicherweise in einem bestimmten Zusammenhang gelernt: Ihr seid allein im Wohnzimmer und es gibt Futter. Im Garten, bei Besuch oder auf dem Spaziergang ändern sich die Bedingungen. Generalisieren bedeutet, das Gelernte auf solche anderen Situationen zu übertragen.

Das gilt auch für den Marker. Lernt dein Hund ihn nur, während du im Wohnzimmer auf dem Boden sitzt, kann er unsicher sein, wenn du draußen herumläufst. Übe deshalb an verschiedenen vertrauten Orten und bei einfachen Gelegenheiten, etwa im Garten oder vor dem Einsteigen ins Auto. Dein Hund soll erfahren, dass das Signal auch dort dieselbe Bedeutung hat.

Auch du verhältst dich draußen anders

Zu Hause fühlst du dich mit deinem Hund vielleicht sicherer, weil er nicht weglaufen kann. Draußen, wenn er etwa etwas Fressbares entdeckt, wirst du angespannter. Damit verändern sich zusätzlich zu Ort und Ablenkung auch deine Haltung und dein Verhalten.

Achte deshalb darauf, dass Stimme und Körper zusammenpassen. Mehr dazu liest du im Artikel zur Körpersprache beim Rückruf.

Wie trainiere ich einen zuverlässigen Rückruf?

Beginne in einer reizarmen Umgebung, zum Beispiel im Haus. Übe dann im Garten und auf der gewohnten Pipiroute. Wald und unbekannte Orte kommen später dazu; eine belebte Stadt ist deutlich anspruchsvoller.

Rufe am Anfang in Momenten, in denen dein Hund voraussichtlich kommen wird:

  • Er ist ohnehin schon auf dem Weg zu dir.
  • Es gibt gerade keine großen Ablenkungen.
  • Du hast eine für ihn besonders lohnende Futterbelohnung vorbereitet.

Welches Wort nehme ich für den Rückruf?

Wähle ein eindeutiges Wort, das du im Alltag nicht ständig benutzt. Dieses Wort bedeutet „Komm zu mir“. Verwende für diese Aufgabe das Rückrufsignal, etwa „Hier“, und nicht den Namen deines Hundes. Die Bedeutung muss er durch den Trainingsaufbau lernen.

Für die Grundlagen und konkrete Rückrufspiele gibt es den Rückruf-Ratgeber.

Wie steigere ich Ablenkungen im Rückruftraining richtig?

Unterscheide die verschiedenen Schwierigkeiten:

  • Ort: vom Haus in den Garten, später auf die gewohnte Gassiroute.
  • Menschen und Hunde: jemand ist anwesend oder bewegt sich in der Nähe.
  • Distanz: dein Hund muss aus größerer Entfernung zu dir kommen.
  • Weitere Reize: Futter am Boden, ein Spielzeug oder ein raschelnder Fuß im Laub.

Erhöhe diese Anforderungen einzeln. Wechsle zuerst den Ort. Klappt es im Garten, kannst du dort beispielsweise Futter auslegen. Auf dem Spaziergang gleichzeitig die Entfernung zu erhöhen, Futter auszulegen und den Lieblingsmenschen um die Ecke warten zu lassen, wäre zu viel.

Übe auf der gewohnten Pipiroute zunächst unter einfachen Bedingungen. Erst danach kommt ein zusätzlicher Reiz dazu. Bleibe bei einem Schritt, den dein Hund gut leisten kann, bevor du den nächsten ergänzt.

Was mache ich, wenn mein Hund andere Hunde, Menschen oder Tiere interessanter findet als mich?

Menschen, Hunde und Wild sind Ablenkungen, für die dein Hund das Signal ebenfalls lernen muss. Zum Aufbau gehört die Erfahrung, dass der gelernte Rückruf gilt: Er kommt zu dir, auch wenn etwas anderes interessant ist. Kann er das noch nicht leisten, brauchst du eine einfachere Situation und die Sicherung über die Leine.

Verbindlichkeit und freiwillige Orientierung trainieren

Arbeite an zwei Dingen: einem verlässlich umgesetzten Rückruf und freiwilliger Orientierung. Belohne deinen Hund häufig dafür, dass er von sich aus den Fokus auf dich richtet. Dann findet Kontakt zu dir auch zwischen den Rückrufen statt.

Click für Blick, Ping Pong und Up and Down trainieren diesen freiwilligen Fokus. Die Aufbauten findest du bei den Fokusübungen und im Artikel Click für Blick. Um Orientierung ohne Rückruf geht es außerdem in Hund ignoriert mich draußen.

Sollte ich mit einer Schleppleine trainieren?

Solange dein Hund nicht zuverlässig kommt, bleibt er an einer Schleppleine gesichert. Sie verhindert, dass er sich nach dem Signal einfach weiter entfernt, und ermöglicht dir, das Kommen zu unterstützen.

Kommt dein Hund auf das gelernte Signal nicht selbstständig, holst du ihn mit Unterstützung der Leine zu dir. Die vier Rückrufübungen beschreiben den Ablauf und unterscheiden selbstständiges Kommen von unterstütztem Folgen. Wiederhole das Wort nicht fortlaufend, während dein Hund weiterläuft.

Mit dem Radiustraining an der Schleppleine übst du zusätzlich, dass dein Hund innerhalb eines bestimmten Abstands zu dir bleibt.

Welche Fehler machen den Rückruf unzuverlässig?

Den Hund rufen, obwohl er es noch nicht leisten kann

Rufst du erst, wenn dein Hund weit entfernt bereits Wild nachjagt, übersteigt die Aufgabe möglicherweise seine Fähigkeiten. Weiteres Rufen verbessert den Aufbau dann nicht; es kann ihm lediglich zeigen, wo du gerade bist. Sichere solche Situationen ab und trainiere unter Bedingungen, in denen er reagieren kann.

Einen Belohnungskreis aufbauen

Entfernt sich dein Hund weit, du rufst ihn zurück und er bekommt einen Keks, kann daraus ein unerwünschter Ablauf werden: weit weggehen, zurückgerufen werden, Belohnung abholen, wieder weit weggehen. Übe deshalb auch freiwillige Orientierung, statt ihn ständig erst zurückzurufen.

Mehr dazu liest du unter Fehler, die unerwünschtes Verhalten verstärken.

Den Namen rufen und auf Verständnis hoffen

Ein freundlich gerufener Name erklärt deinem Hund noch nicht, dass er zu dir kommen soll. Er muss die Bedeutung des Rückrufworts durch einen verständlichen Aufbau lernen.

Alle Schwierigkeiten auf einmal erhöhen

Neuer Ort, größere Distanz, Futter und Lieblingsmensch zugleich können deinen Hund überfordern. Ändere eine Bedingung und prüfe, ob er die Aufgabe weiterhin bewältigen kann.

Wie belohne ich einen erfolgreichen Rückruf?

Belohne möglichst passend zum Bedürfnis deines Hundes. Nach dem Abrufen von einer jagdlichen Ablenkung kann ein Ballwurf oder ein Zerrspiel mit einem Stofftier lohnender sein als ein Keks. Bereite die Belohnung vor, damit du sie im richtigen Moment anbieten kannst.

Dein Hund soll die Erfahrung machen, dass es sich lohnt, zu dir zu kommen. Beobachte deshalb, welche Belohnung er in der jeweiligen Situation gern annimmt.

Ist Streicheln eine gute Belohnung für den Rückruf?

Viele Hunde empfinden Streicheln beim Rückruf nicht als passende Belohnung. Wähle etwas, das in der Situation tatsächlich zu ihrem Bedürfnis passt. Konkrete Rückrufspiele findest du im Rückruf-Ratgeber.

Was mache ich, wenn mein Hund auf das Rückrufsignal überhaupt nicht reagiert?

Gesundheitliche Aspekte ausschließen

Funktioniert der Rückruf weder drinnen noch draußen, müssen zuerst gesundheitliche Aspekte ausgeschlossen werden, zum Beispiel, dass dein Hund nicht hören kann.

Hat dein Hund verstanden, was das Wort bedeutet?

Ist das geklärt, prüfe den Lernstand. Hunde lernen die Bedeutung von Wörtern durch Erfahrungen. Wenn du immer wieder „Hier“ rufst und nichts folgt, kann dein Hund lernen, dieses Wort zu ignorieren. Baue das Signal so auf, dass er die Aufgabe versteht.

Bis zur Ansprechbarkeit gesichert bleiben

Nutze eine Schleppleine oder lange Leine, bis dein Hund ausreichend ansprechbar ist. Für diese Sicherung ist auch eine Flexi-Leine möglich. Beim Training des gelernten Signals bleibt der Ablauf verlässlich: Dein Hund kommt selbstständig oder du unterstützt ihn dabei.

Brauche ich einen Super-Rückruf oder Notfallrückruf?

Ein zweites Rückrufsignal mit einer besseren Belohnung kann dazu führen, dass dein Hund auf diese nächste Ankündigung wartet. Er ignoriert dann möglicherweise den normalen Rückruf, weil es nach dem besonderen Signal mehr gibt: Torte statt Keks.

Investiere die Trainingszeit deshalb in den normalen Rückruf. Auch beim Sitzsignal baust du nicht erst ein zweites, besser belohntes „Super-Sitz“ auf, nachdem dein Hund das erste Signal ignoriert hat. Bedürfnisorientiert belohnen ist etwas anderes, als eine bessere Belohnung erst nach einem zweiten Rückruf anzukündigen.

Für eine deutliche Futterankündigung nutzt du dasselbe Wort: erst rufen, danach hinhocken und am Boden zwischen den Beinen belohnen. Das Hinhocken ist ein Futterversprechen, das jedes Mal eingelöst wird. Wie du diesen Aufbau bis zum Abrufen vom ausgelegten Futter steigerst, zeigen die vier Rückrufübungen.

Häufige Fragen

Warum hört mein Hund drinnen, aber draußen nicht?

Dein Hund hat das Signal noch nicht ausreichend auf andere Situationen übertragen. Übe deshalb an verschiedenen Orten: im Wohnzimmer, im Garten und auf der gewohnten Gassiroute. Steigere die Schwierigkeit schrittweise.

Wie belohne ich den Rückruf richtig?

Belohne möglichst bedürfnisorientiert. Nach dem Abrufen von einer jagdlichen Ablenkung kann ein Ballwurf oder ein Zerrspiel mit einem Stofftier besser passen als ein Keks. Streicheln empfinden viele Hunde in dieser Situation nicht als passende Belohnung.

Sollte ich mit einer Schleppleine trainieren?

Ja, solange dein Hund nicht zuverlässig kommt, sichert ihn die Schleppleine. Mit ihr kannst du das Kommen unterstützen, statt das Signal zu wiederholen, während er sich weiter entfernt.

Was mache ich, wenn mein Hund überhaupt nicht auf den Rückruf reagiert?

Wenn der Rückruf weder drinnen noch draußen funktioniert, müssen zuerst gesundheitliche Aspekte ausgeschlossen werden, zum Beispiel, dass der Hund nicht hören kann. Prüfe anschließend, ob dein Hund die Bedeutung des Wortes gelernt hat. Bis die Ansprechbarkeit Freilauf ermöglicht, bleibt dein Hund an einer Schleppleine oder langen Leine gesichert.

Brauche ich einen Super-Rückruf mit besserer Belohnung?

Baue den normalen Rückruf intensiv auf. Ein zweites Signal mit besserer Belohnung kann dazu führen, dass dein Hund den normalen Rückruf ignoriert und auf die nächste Ankündigung wartet: Torte statt Keks.

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