Reaktiver Hund und Hundebegegnungen · Übung

Click für Blick: Reaktiver Hund liegt ruhig im Café

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Kurz gesagt

Bei Click für Blick markierst du zuerst das ruhige Anschauen eines anderen Hundes. Klappt das gut, erhöhst du das Kriterium: Nun markierst und fütterst du erst, wenn dein Hund sich abwendet und dich anschaut. Wähle Abstand und Situation so, dass er ansprechbar und lernfähig bleibt.

Ich habe einen reaktiven Hund, und normalerweise reicht schon der Anblick eines anderen Hundes, damit er hochfährt. Heute liegt er ohne Eskalation unter dem Tisch im Café, während ein anderer Hund vorbeigeht. Und genau das trainieren wir beide.

Nicht „ruhig liegen“, sondern Click für Blick

Man könnte meinen, hier wird Ruhe trainiert: Der Hund liegt, er soll liegen bleiben. Aber das ist nicht die Übung. Ein Hund, der liegen muss, während ihm innerlich alles hochkommt, lernt nur, dass Liegen anstrengend ist.

Stattdessen arbeite ich mit Click für Blick. Immer wenn er den anderen Hund ruhig anschaut und sich abwendet, markiere ich diesen Moment und belohne ihn. Kein Zerren an der Leine, kein Nein, kein Ablenken.

„Ich möchte, dass er lernt: Einen anderen Hund zu sehen bedeutet, es lohnt sich jetzt, den Fokus auf meinen Halter zu richten.“

So läuft die Übung

  1. Situation wählen. Der Hund liegt an einem Ort, an dem er sich sicher fühlt und an dem andere Hunde in Abstand vorbeigehen. Nicht direkt am Weg, nicht an kurzer Leine im Gedränge.
  2. Hinschauen erlauben. Dabei geht es nicht darum, dass er den anderen Hund komplett ignoriert. Er darf ihn anschauen. Das Hinschauen ist der Anfang der Übung, nicht ihr Scheitern.
  3. Den ruhigen Blick markieren. Sobald er den anderen Hund ruhig anschaut, kommt der Marker: Click oder Wort.
  4. Beim Abwenden belohnen. Dreht er den Kopf weg oder zu dir, kommt das Futter. Bei dir, nicht Richtung anderer Hund.
  5. Kriterium erhöhen. Wenn das ruhige Ansehen gut klappt, wird das Kriterium, also der Moment des Markierens, erhöht. Nun reicht es nicht mehr, wenn der Hund ruhig schaut. Du wartest, bis er sich abwendet und dich anschaut, bevor du markierst und fütterst.
  6. Wiederholen, solange er kann. Wird er unruhig, ist der Abstand zu klein oder die Übung zu lang. Dann aufhören, nicht durchziehen.

Was sich mit der Zeit verändert

Das Spannende ist: Mit der Zeit wird das Schauen zu den anderen Hunden immer kürzer und der Fokus stabiler. Der Blick zum anderen Hund wird kürzer, die Orientierung zu mir häufiger. Genau solche kleinen Veränderungen sind für reaktive Hunde wichtig. Nicht der große Durchbruch, sondern der Blick, der eine Sekunde kürzer ist als letzte Woche.

Was diese Übung nicht ist

Das ist kein Training nach dem Motto „Da muss er jetzt durch“. Die Situation muss so gewählt sein, dass der Hund überhaupt noch ansprechbar und lernfähig bleibt. Wer seinen Hund ins Café setzt, wo er sofort eskaliert, trainiert Eskalation mit Publikum.

Die Vorstufe, wenn dein Hund im Café noch nicht liegen kann, ist das Umorientierungssignal auf Abstand. Die Übersicht mit allen Schritten steht beim reaktiven Hund.

Häufige Fragen

Soll mein Hund den anderen Hund nicht ignorieren?

Nein. Ignorieren kann man nicht trainieren, Hinschauen und Abwenden schon. Dein Hund darf den anderen Hund anschauen. Er soll nur lernen, dass ein anderer Hund in seiner Nähe nicht automatisch bedeutet, dass er reagieren muss.

Brauche ich einen Clicker?

Nein, ein Markerwort tut es genauso. Wichtig ist der Zeitpunkt: Zu Beginn markierst du das ruhige Hinschauen. Erst wenn das gut klappt, wartest du auf das Abwenden und den Blick zu dir, bevor du markierst und fütterst.

Warum im Café und nicht auf dem Hundeplatz?

Weil das Café die Situation ist, in der der Hund es später können soll. Und weil er dort liegt: Ein liegender Hund hat weniger Möglichkeiten zu eskalieren als ein stehender an kurzer Leine. Die Situation muss so gewählt sein, dass der Hund ansprechbar und lernfähig bleibt.

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