Reaktiver Hund und Hundebegegnungen · Wissen

Was kann man nach einer Eskalation noch tun?

Von 3 Min. Lesezeit
Kurz gesagt

Ist dein Hund nach der Eskalation wieder ansprechbar, kann die Situation noch zum Lernen dienen. Nachschnüffeln und Orientierung an dir können dabei helfen. Ein weggehender Hund ist leichter als eine frontale Begegnung. Entscheidend ist, was dein Hund jetzt leisten kann; danach braucht er Gelegenheit zum Stressabbau.

Was kann man nach einer Eskalation tun?

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Es ist passiert. Dein Hund ist in die Leine gesprungen, hat gebellt, geknurrt, sich aufgebaut. Der andere Hund ist weg, dein Puls ist oben, und der Reflex ist: schnell weiter, bloß weg hier. Genau das ist der Moment, in dem du etwas gewinnen kannst, wenn du ihn nicht verschenkst.

„Eskalationen als Lernerfahrung nutzen, statt schnell weiterzugehen.“

Was du nach der Eskalation noch nutzen kannst

1. Nachschnüffeln erlauben

Lass deinen Hund die Stelle beschnüffeln, an der der andere Hund war. Das sieht aus wie nichts, ist aber zweierlei: Er sammelt Information über das, was gerade passiert ist, und sein Körper kommt beim Schnüffeln runter. Die Nase am Boden ist das Gegenteil von Fixieren. Nimm dir die Minute.

2. Freiwilliges Abwenden üben

Jetzt, wo der Auslöser weg oder weit entfernt ist, kann dein Hund das zeigen, was er in der Begegnung nicht geschafft hat: sich abwenden. Du wartest. Schaut er vom Ort des Geschehens weg, zu dir, in eine andere Richtung, dann markierst du das und belohnst. Nicht weil er brav war, sondern weil er gerade die richtige Bewegung gemacht hat, freiwillig.

Wenn der andere Hund noch in Sichtweite ist, geht das auch, solange der Abstand groß genug ist. Dann trainierst du in der echten Situation, bei der einzigen Distanz, in der dein Hund gerade noch denken kann.

3. Stress abbauen lassen

Dann Pause. Nicht sofort die nächste Begegnung, nicht der Weg über die Hundewiese, nicht das nächste Kommando. Ein ruhiges Stück Weg, schnüffeln, gehen, vielleicht ein paar Futterstücke ins Gras. Der Stress, den die Eskalation ausgelöst hat, ist nicht in zwei Minuten weg. Dein Hund ist für den Rest des Spaziergangs dünnhäutiger. Behandle ihn so.

Warum ist ein weggehender Hund leichter als eine frontale Begegnung?

Entscheidend ist, was dein Hund in diesem Moment noch leisten kann:

„Er wird also nur von hinten gesehen und geht nicht mehr frontal auf euch zu.“

Der andere Hund ist vorbeigegangen. Dein Hund kommt aus der Eskalation wieder zu sich und ist vielleicht schon wieder für dich ansprechbar. Wenn du in diesem Moment die Leine locker machen und deinen Hund aus der Situation abrufen kannst, entsteht eine Lernmöglichkeit: Er kommt zu dir, hält den Fokus auf dich und orientiert sich, obwohl der andere Hund noch da ist.

Das ist eine leichtere Begegnungssituation, weil dein Hund den anderen nicht mehr frontal sehen muss. Es geht dabei um den Moment, in dem dein Hund das wieder leisten kann. Den Aufbau des Rückrufs findest du beim Rückruf und Freilauf.

Warum schaut mein Hund dem anderen noch hinterher?

„Unterschätze also nicht, wie lange die Begegnung noch anhält.“

Manche Hunde drehen sich nach einer Eskalation häufig um und prüfen, wo der andere Hund ist. Ein Begegnungsproblem kann auch aus Angst und Unsicherheit entstehen.

Aus meiner Sicht kann ein Stückchen in derselben Richtung zu gehen dem Hund Information geben: Er sieht, dass der andere wirklich weggeht. Auch Nachschnüffeln kann Informationen liefern. Das bedeutet nicht, den anderen Hund einzuholen oder den Abstand wieder zu verkleinern. Im Video geht es um die Situation nach dem Vorbeigehen und die wieder mögliche Orientierung am Halter.

Was du dir sparst

Die Strafe danach. Sie kommt zu spät, sie trifft das Falsche, und sie nimmt dem Hund die Chance, aus der Situation das Richtige mitzunehmen. Und den Vorwurf an dich selbst: Eine Eskalation ist keine Niederlage, sondern die Information, dass die Begegnung seine Kompetenzen überstiegen hat. Nächstes Mal mehr Abstand.

Was danach kommt, in den Wochen, nicht in den Minuten, steht in der Übersicht zum reaktiven Hund.

Häufige Fragen

Soll ich meinen Hund nach einer Eskalation schimpfen?

Nein. Die Eskalation ist vorbei, dein Hund verknüpft die Strafe nicht mehr mit dem anderen Hund, sondern mit dir und mit der Situation danach. Du bestrafst dann das Beruhigen. Was hilft, ist Ruhe und die Chance, das Abwenden noch einmal zu zeigen.

Warum Nachschnüffeln erlauben?

Schnüffeln ist für den Hund Information und Beruhigung zugleich. Er liest, wer da war, und sein Körper fährt dabei runter. Wer ihn sofort weiterzieht, nimmt ihm beides.

Wie lange dauert es, bis der Stress abgebaut ist?

Länger, als man denkt. Die Stresshormone brauchen Zeit, nicht Sekunden. Rechne damit, dass dein Hund für den Rest des Spaziergangs, manchmal für den Rest des Tages, dünnhäutiger ist. Plane die nächste Begegnung nicht direkt danach.

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